SEIT 33 JAHREN MAISZÜCHTER IN ITALIEN

Bruno Albrechts Weg führte ihn nach erfolgreichem Studienabschluss zuerst in die argentinische Pampa, den US Corn Belt in Iowa und schlussendlich nach Italien. Wie es dazu kam, berichtet er in seinem Portrait. 

Der Schritt ins Ausland
Meine internationale Berufstätigkeit hat an der Diplomfeier zum Ing. Agr. ETH im November 1981 begonnen, als Prof. Dr. E. Keller mir den Rat gab, mich im Bereich der Pflanzenzüchtung weiter auszubilden. Er hat mir die Kontaktinformation zur Forschungsleitung der Ciba-Limited-Saatgutabteilung in Basel gegeben, die einen Kandidaten für eine achtmonatige Züchterschnupperlehre suchten. Ich bewarb mich erfolgreich und nahm die Offerte an, die aus einem dreimonatigen Aufenthalt im Ciba-Saatgut-Forschungszentrum in Argentinien und anschliessend fünf Monate in einem Maiszüchtungszentrum in den USA bestand. So befand ich mich anfangs Januar 1982 in der Mitte der argentinischen Pampa und drei Monate später im «US Corn Belt» in Iowa.

Diese acht Monate waren eine ausserordentlich intensive Einführung in die Praxis der Pflanzenzüchtung und ich war hoch motiviert, meine theoretischen und wissenschaftlichen Kenntnisse im Bereich der Pflanzengenetik zu vertiefen. Ciba hat mir in der Folge angeboten, ein Doktorat in den USA mitzufinanzieren. Schliesslich fiel die Wahl auf ein Projekt an der University of Illinois in Urbana-Champaign (IL), wo ich unter der Leitung von Prof. Dr. J.W. Dudley mein Studium aufnahm, das ich im Jahr 1986 mit einem Doktorat (Ph.D.) mit Schwerpunkt auf Maiszüchtung abschloss. 

Die Anfänge in Italien
Nach diesem langen Umweg über Amerika kriegte ich von Ciba ein Stellenangebot in der Maiszuchtstation der Provinz Cremona in Italien, also in der Mitte der Poebene. Das war ein attraktiver Standort: nur eine gute Autostunde südlich von der Schweizer Grenze, aber in der Mitte eines der wichtigsten Maisanbaugebiete Europas.

Während der ersten Monate war es besonders wichtig, mich an das neue kulturelle Umfeld anzupassen und die italienische Sprache zu beherrschen. Ich erhielt ein sehr gutes Coaching von meinen Arbeitskollegen. Die Kenntnis der wichtigsten Maisanbauzonen und vor allem der lokalen Maisanbautechniken sind bei dieser Arbeit besonders wichtig, weil die Sortenentwicklung und Prüfung in Zusammenarbeit mit Landwirschaftsbetrieben unter typischen lokalen Anbaubedingungen ausgeführt wird. Ich hatte auch direkt die Gelegenheit, die komplexe kommerzielle Maishybridsaatgutproduktion vom Feld bis in die verkaufsbereite Saatgutpackung zu erlernen und zu überwachen.

Im Jahr 1993 wechselte ich als Leiter des Maiszuchtprogramms Italien zur Firma Pioneer Hi-Bred (seit 1. Juni 2019 in die neu gegründete Firma Corteva Agriscience eingeflossen). Meine Verantwortlichkeiten beinhalteten ebenfalls die Hybridmaissortenentwicklung für ganz Südeuropa, was sehr viel Reisen zur Versuchsbetreuung in den wichtigsten Maisanbaugebieten Südeuropas mit sich brachte.

Die Freude an der Arbeit
Die Entwicklung von neuen Inzuchtlinien zur Formulierung von neuen Hybridmaissorten ist eine ausserordentlich kreative Tätigkeit. Jedes Jahr beginnt man mit einem neuen Zyklus von Züchtungskreuzungen, die neue genetische Vielfalt mit nützlichen Eigenschaften erzeugt.


Aus den segregierenden Zuchtpopulationen werden Tausende von neuen Inzuchtlinien entwickelt. Die wichtigsten Zuchtziele sind Ertragsleistung und Ertragsstabilität, auch unter ungünstigen Umweltbedingungen wie Trockenheit oder meteorologischen Ereignissen, die Stängel- und Wurzellagerung verursachen können. Weitere Zuchtziele sind Resistenzen gegen verschiedene Pflanzenkrankheiten, Toleranz gegenüber Insektenschädlingen und spezifische Qualitätseigenschaften des Erntegutes (Körnermais oder Silage). Dabei nutzt man eine enorme Basis von genetischem Material, das systematisch hinsichtlich Nützlichkeit ausgewertet wird.

Der nächste Schritt ist die Prüfung der neuen Inzuchtlinien unter geeigneten Bedingungen, bei welcher man die gewünschten Eigenschaften erkennen und die Linien mit dem besten Profil selektionieren kann. Die besten Linien werden in Hybridkombination über 4 bis 5 Jahre unter Feldbedingungen getestet und weiter auf ihre Eigenschaften charakterisiert. Nur einige wenige Maishybridsorten, die besten, schaffen es auf den Markt. Die Entwicklung einer neuen Maissorte dauert in der Regel acht Jahre. Dies verlangt, dass Züchter bei Projektbeginn eine gewisse Weitsicht haben. Für Züchter ist es eine besonders grosse Befriedigung, wenn die Sorten sich im landwirtschaftlichen Anbau bewähren.

Eine weltweit tätige Firma wie Pioneer Hi-Bred bietet ausgezeichnete Infrastrukturen zur Unterstützung der lokalen Zuchtprogramme, wie zum Beispiel die Winterzuchtgärten in der südlichen Hemisphäre oder im subtropischen Klimabereich. Auch die internationale Vernetzung mit Berufskollegen und der weltweite Austausch von genetischem Material ist ausserordentlich bereichernd.

Rasanter Fortschritt
In meinen fast 40 Jahren Tätigkeit im Bereich der Pflanzenzüchtung habe ich eine enorme Intensität von technologischer Innovation erlebt. Ich denke da zuerst an den Bereich der Informatik: Ich erinnere mich noch, wie ich in meinem ersten Studienjahr an der University of Illinois im Jahr 1982/83 noch Lochkarten zur Programmierung in FORTRAN produzierte. Das änderte dann sehr schnell und heute ist mein wichtigstes Arbeitsgerät der IPAD mit dem ich im Zuchtgarten oder in den Leistungsversuchen phenotypische Daten sammle. Auch die Entwicklung der Sä- und Erntemaschinen hat mit der weitgehenden Automatisierung und hoher Präzision der Aussaat und Erntedatensammlung ausserordentliche Fortschritte gemacht. Im genetischen Bereich hat vor allem die Entwicklung von molekularen Markern zur Charakterisierung des Erbgutes einen enormen Einfluss auf die Selektionsmethoden und die Effizienz der Zuchtprogramme. Die genetische Information ermöglicht eine präzise Vorselektion der gewünschten Inzuchtlinien, ohne sie zuerst im Feldversuch beobachten zu müssen. Weitere Technologien wie der Gebrauch von Drohnen erhält zunehmend Bedeutung: Drohnen kombiniert mit GPS ermöglichen eine präzise fotografischen Sammlung von phenotypischen Daten in Versuchsparzellen mit anschliessender Verarbeitung und Auswertung durch geeignete Bioinformatikmethoden.

Genetischer Fortschritt in der Pflanzenzüchtung ist eng verknüpft mit der zyklischen Einführung von technischen Innovationen, die eine Verbesserung der Züchtungstechniken und der Selektionseffizienz ermöglichen. Diese Entwicklung wird weitergehen und ist notwendig. Die Verfügbarkeit von genetisch verbesserten Sorten ist grundlegend, um die landwirtschaftliche Produktivität mit der weltweit erhöhten Nachfrage von Lebensmitteln im Gleichgewicht zu halten. Ich bin stolz darauf, dass ich mit meiner Arbeit einen bescheidenen Beitrag dazu leisten kann.

SEIT 33 JAHREN MAISZÜCHTER IN ITALIEN

Bruno Albrechts Weg führte ihn nach erfolgreichem Studienabschluss zuerst in die argentinische Pampa, den US Corn Belt in Iowa und schlussendlich nach Italien. Wie es dazu kam, berichtet er in seinem Portrait. 

Der Schritt ins Ausland
Meine internationale Berufstätigkeit hat an der Diplomfeier zum Ing. Agr. ETH im November 1981 begonnen, als Prof. Dr. E. Keller mir den Rat gab, mich im Bereich der Pflanzenzüchtung weiter auszubilden. Er hat mir die Kontaktinformation zur Forschungsleitung der Ciba-Limited-Saatgutabteilung in Basel gegeben, die einen Kandidaten für eine achtmonatige Züchterschnupperlehre suchten. Ich bewarb mich erfolgreich und nahm die Offerte an, die aus einem dreimonatigen Aufenthalt im Ciba-Saatgut-Forschungszentrum in Argentinien und anschliessend fünf Monate in einem Maiszüchtungszentrum in den USA bestand. So befand ich mich anfangs Januar 1982 in der Mitte der argentinischen Pampa und drei Monate später im «US Corn Belt» in Iowa.

Diese acht Monate waren eine ausserordentlich intensive Einführung in die Praxis der Pflanzenzüchtung und ich war hoch motiviert, meine theoretischen und wissenschaftlichen Kenntnisse im Bereich der Pflanzengenetik zu vertiefen. Ciba hat mir in der Folge angeboten, ein Doktorat in den USA mitzufinanzieren. Schliesslich fiel die Wahl auf ein Projekt an der University of Illinois in Urbana-Champaign (IL), wo ich unter der Leitung von Prof. Dr. J.W. Dudley mein Studium aufnahm, das ich im Jahr 1986 mit einem Doktorat (Ph.D.) mit Schwerpunkt auf Maiszüchtung abschloss. 

Die Anfänge in Italien
Nach diesem langen Umweg über Amerika kriegte ich von Ciba ein Stellenangebot in der Maiszuchtstation der Provinz Cremona in Italien, also in der Mitte der Poebene. Das war ein attraktiver Standort: nur eine gute Autostunde südlich von der Schweizer Grenze, aber in der Mitte eines der wichtigsten Maisanbaugebiete Europas.

Während der ersten Monate war es besonders wichtig, mich an das neue kulturelle Umfeld anzupassen und die italienische Sprache zu beherrschen. Ich erhielt ein sehr gutes Coaching von meinen Arbeitskollegen. Die Kenntnis der wichtigsten Maisanbauzonen und vor allem der lokalen Maisanbautechniken sind bei dieser Arbeit besonders wichtig, weil die Sortenentwicklung und Prüfung in Zusammenarbeit mit Landwirschaftsbetrieben unter typischen lokalen Anbaubedingungen ausgeführt wird. Ich hatte auch direkt die Gelegenheit, die komplexe kommerzielle Maishybridsaatgutproduktion vom Feld bis in die verkaufsbereite Saatgutpackung zu erlernen und zu überwachen.

Im Jahr 1993 wechselte ich als Leiter des Maiszuchtprogramms Italien zur Firma Pioneer Hi-Bred (seit 1. Juni 2019 in die neu gegründete Firma Corteva Agriscience eingeflossen). Meine Verantwortlichkeiten beinhalteten ebenfalls die Hybridmaissortenentwicklung für ganz Südeuropa, was sehr viel Reisen zur Versuchsbetreuung in den wichtigsten Maisanbaugebieten Südeuropas mit sich brachte.

Die Freude an der Arbeit
Die Entwicklung von neuen Inzuchtlinien zur Formulierung von neuen Hybridmaissorten ist eine ausserordentlich kreative Tätigkeit. Jedes Jahr beginnt man mit einem neuen Zyklus von Züchtungskreuzungen, die neue genetische Vielfalt mit nützlichen Eigenschaften erzeugt.


Aus den segregierenden Zuchtpopulationen werden Tausende von neuen Inzuchtlinien entwickelt. Die wichtigsten Zuchtziele sind Ertragsleistung und Ertragsstabilität, auch unter ungünstigen Umweltbedingungen wie Trockenheit oder meteorologischen Ereignissen, die Stängel- und Wurzellagerung verursachen können. Weitere Zuchtziele sind Resistenzen gegen verschiedene Pflanzenkrankheiten, Toleranz gegenüber Insektenschädlingen und spezifische Qualitätseigenschaften des Erntegutes (Körnermais oder Silage). Dabei nutzt man eine enorme Basis von genetischem Material, das systematisch hinsichtlich Nützlichkeit ausgewertet wird.

Der nächste Schritt ist die Prüfung der neuen Inzuchtlinien unter geeigneten Bedingungen, bei welcher man die gewünschten Eigenschaften erkennen und die Linien mit dem besten Profil selektionieren kann. Die besten Linien werden in Hybridkombination über 4 bis 5 Jahre unter Feldbedingungen getestet und weiter auf ihre Eigenschaften charakterisiert. Nur einige wenige Maishybridsorten, die besten, schaffen es auf den Markt. Die Entwicklung einer neuen Maissorte dauert in der Regel acht Jahre. Dies verlangt, dass Züchter bei Projektbeginn eine gewisse Weitsicht haben. Für Züchter ist es eine besonders grosse Befriedigung, wenn die Sorten sich im landwirtschaftlichen Anbau bewähren.

Eine weltweit tätige Firma wie Pioneer Hi-Bred bietet ausgezeichnete Infrastrukturen zur Unterstützung der lokalen Zuchtprogramme, wie zum Beispiel die Winterzuchtgärten in der südlichen Hemisphäre oder im subtropischen Klimabereich. Auch die internationale Vernetzung mit Berufskollegen und der weltweite Austausch von genetischem Material ist ausserordentlich bereichernd.

Rasanter Fortschritt
In meinen fast 40 Jahren Tätigkeit im Bereich der Pflanzenzüchtung habe ich eine enorme Intensität von technologischer Innovation erlebt. Ich denke da zuerst an den Bereich der Informatik: Ich erinnere mich noch, wie ich in meinem ersten Studienjahr an der University of Illinois im Jahr 1982/83 noch Lochkarten zur Programmierung in FORTRAN produzierte. Das änderte dann sehr schnell und heute ist mein wichtigstes Arbeitsgerät der IPAD mit dem ich im Zuchtgarten oder in den Leistungsversuchen phenotypische Daten sammle. Auch die Entwicklung der Sä- und Erntemaschinen hat mit der weitgehenden Automatisierung und hoher Präzision der Aussaat und Erntedatensammlung ausserordentliche Fortschritte gemacht. Im genetischen Bereich hat vor allem die Entwicklung von molekularen Markern zur Charakterisierung des Erbgutes einen enormen Einfluss auf die Selektionsmethoden und die Effizienz der Zuchtprogramme. Die genetische Information ermöglicht eine präzise Vorselektion der gewünschten Inzuchtlinien, ohne sie zuerst im Feldversuch beobachten zu müssen. Weitere Technologien wie der Gebrauch von Drohnen erhält zunehmend Bedeutung: Drohnen kombiniert mit GPS ermöglichen eine präzise fotografischen Sammlung von phenotypischen Daten in Versuchsparzellen mit anschliessender Verarbeitung und Auswertung durch geeignete Bioinformatikmethoden.

Genetischer Fortschritt in der Pflanzenzüchtung ist eng verknüpft mit der zyklischen Einführung von technischen Innovationen, die eine Verbesserung der Züchtungstechniken und der Selektionseffizienz ermöglichen. Diese Entwicklung wird weitergehen und ist notwendig. Die Verfügbarkeit von genetisch verbesserten Sorten ist grundlegend, um die landwirtschaftliche Produktivität mit der weltweit erhöhten Nachfrage von Lebensmitteln im Gleichgewicht zu halten. Ich bin stolz darauf, dass ich mit meiner Arbeit einen bescheidenen Beitrag dazu leisten kann.